Frühling im Glas: Gänseblümchen-Gelee selbst gemacht

by wildemoehre

Das Gänseblümchen scheint so unscheinbar und dennoch kennt es jeder. Das kommt daher, dass es uns seit unserer Kindheit umgibt. Denn das Gänseblümchen fühlt sich dort wohl, wo wir Menschen sind. Es braucht einen nährstoffreichen Boden und den finden wir überall dort, wo Menschen siedeln und den Boden nutzbar machen, sei es in Gärten oder auf Weiden. Das Mensch und Tier dort “herumtrampeln” und dabei den Boden verdichten, macht dem Gänseblümchen nicht viel aus. Selbst, wenn man einmal darauf tritt, steht es schnell wieder auf. Bei Schlechtwetter macht das Gänseblümchen seine Blüte gar nicht erst auf. Wie ein zugespannter Schirm, werden die innen liegenden Blüten vor Schaden geschützt. Als Korbblütler besteht das Gänseblümchen nämlich aus einem sogenannten “Korb voller Blüten”. Das was wir als weiße Blütenblätter ansehen, sind in Wirklichkeit lauter Einzelblüten. Jedes weiße Blatt ist eine Einzelblüte. Das Gelbe in der Mitte sind ganz viele Röhrenblüten. Jede einzelne setzt sich aus den Bestandteilen einer Blüte zusammen. 

Gänseblümchen sind die ersten Blumen, die wir als Kinder kennen lernen. Sie können nicht verwechselt werden, sie sind überall und sie sind ungiftig. Wer hat nicht in seiner Kindheit Gänseblümchensträuße gepflückt oder Haarkränze geflochten? Einige sind mit Gänseblümchen-Blütenbroten auch als Kind schon in den ersten “wildkräuterlichen Genuss” gekommen. Trotz alledem hat es das Gänseblümchen noch nicht ins Rampenlicht geschafft. Denn vielen ist gar nicht klar, was für eine Allrounderin hinter dem kleinen Blümchen steckt. Das Tolle an ihm ist, dass es sowohl in der Küche als auch in der Schönheitspflege und in der Natur- und Hausapotheke ganz viele Einsatzmöglichkeiten gibt. In der Küche reicht die Verwendung von Dekoration, über Zutat für Füllungen, Salate, Suppen, Zubereitung wie Spinat bis hin zu Gänseblümchensalz, -essig, -kapern,  Zutat für Aufstriche, wie das Gelee, welches ich euch heute vorstelle. Auch in der Natur- und Hausapotheke sowie in der Körperpflege bietet es zahlreiche Möglichkeiten, angefangen bei Tee und Aufgüssen, über weitere Auszüge, zum Beispiel in Öl, Essig, Honig, Alkohol, bis hin zu weiterverarbeiteten Produkten wie Salben, Cremes, Gesichtswässern, Lippenstiften und so weiter. Ein einziges Blümchen und schier unendliche Möglichkeiten. Das Gänseblümchen verdient daher volle Aufmerksamkeit und ist unter anderem eine prima Pflanze für Einsteiger.

Heute zeige ich euch ein frühlingshaftes Blütenrezept mit Gänseblümchen. Ich liebe es einfach Blütenaromen in Gelees einzufangen. Diese zarten Aufstriche sind ein purer Genuss und kommen auch als kleines Geschenk und bei einem süßen Sonntagsfrühstück mit selbst gebackenen Hefeknöpfen immer gut an. Der Frühling mit seiner Vielfalt an Blüten ist Lebensfreude pur. Holen wir uns diese Freude doch auf den Teller und genießen gemeinsam mit unseren Liebsten und unseren Freunden.

Jedes Jahr darf ich bei der Nachbarin im Garten Gänseblümchen pflücken, bevor sie mit dem Mäher drüber fährt.

Das Gänseblümchen kurz und knapp

Gänseblümchen (Bellis perennis)

Korbblütler (Asteraceae)

Weitere Namen im Volksmund u.a. Maßliebchen, Tausendschön, Gänseliese, Maiblume.

Inhaltsstoffe

u.a.

  • Saponine
  • Flavonoide
  • Bitterstoffe
  • Gerbstoffe
  • etwas ätherisches Öl 
  • reich an Vitaminen und Mineralstoffe

Standort

Nährstoffreiche, verdichtete Böden. Das Gänseblümchen wächst oft auf viel betretenen bzw. viel genutzten Wiesen- und Rasenflächen und auf Weiden. Es sucht sich hier die Lücken. Es macht dem Blümchen nichts aus, wenn auf ihm herum getreten wird oder es häufig abgemäht wird. Der Name Gänseblümchen rührt vom häufigen Vorkommen des Blümchens auf Gänseweiden her.

  • Nährstoffzeigerpflanze
  • Zeigerpflanze für verdichtete Böden und Übernutzung.

Wirkung volksheilkundlich

  • entwässernd, blutreinigend
  • schweißtreibend
  • schleimlösend
  • wundheilend
  • abschwellend und entstauend bei Prellungen und blauen Flecken.
  • entzündungshemmend
  • reizmindernd und beruhigend bei gestresster und entzündeter Haut.
  • juckreizlindernd, u.a. bei Insektenstichen und bei Ekzemen.
  • Symbolisch steht das Gänseblümchen für die Überwindung und Heilung körperlicher und seelischer Übergriffe sowie für Reinheit und Unversehrtheit. Daher kommt das Gänseblümchen volksheilkundlich auch in diesen Bereichen zum Einsatz. 

Zu verwendende Teile

Blätter, Blüten, Knospen und Samen.

Blütezeit: April bis Spätherbst

Sammelzeit: Für die Küche jederzeit. Für Heilanwendungen i.d.R. April bis September.

Generell keine Verwechslungsgefahr. Das Gänseblümchen ist ein sogenanntes “Allerweltskraut”, das wirklich ein jeder schon als Kind kennen lernt, weil es als vom Menschen genutzte Flächen besiedelt.

Zunächst werden die Gänseblümchen über Nacht in einer Mischung aus Zucker, Wasser und mit einer in Scheiben geschnittenen Zitrone ausgezogen.
Besonders gerne mögen wir zu dem Gelee selbst gebackene Hefeknöpfe und Bauernbutter

Die Blümchen sind natürlich auch eine zauberhafte essbare Dekoration

Rezept: Gänseblümchengelee

Mit dem Wonnemonat Mai vollzieht sich der Auftakt in eine blütenreiche Saison. Die zarten Aromen kann man herrlich in Blüten-Gelees einfangen. Sie sind ein purer, süßer Genuss und auch immer ein schönes Mitbringsel, wenn man jemandem eine Freude machen möchte […]

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Menge: ca. 5 Gläser à 200 ml

Zutaten

  • Für den Ansatz:
  • 750 g Zucker
  • 500 ml Wasser
  • 3 Handvoll Gänseblümchenblüten
  • 1 Biozitrone in Scheiben geschnitten
  • Zum Gelieren:
  • 150 ml Zitronensaft (entspricht ca. 3 Zitronen)
  • Geliermittel nach Packungsangabe, zum Beispiel etwa 3 EL Konfitura von BioVegan* (pflanzliches Geliermittel, bestehend aus Kartoffelstärke, Pfeilwurzmehl, Agar-Agar, Pektin – ich liebe die Konfitura-Konsistenz!!)
  • *unbezahlte und unbeauftragte Werbung

Und so geht’s

  • Den Zucker im Wasser bei sanfter Wärme auf dem Herd auflösen.
  • Die Gänseblümchenblüten in eine Schüssel füllen und eine in Scheiben geschnittene Bio-Zitrone hinzufügen.
  • Gänseblümchenblüten und Zitronenscheiben mit Zucker-Wasser-Gemisch bedecken.
  • 1 Tuch über die Schüssel decken und 12 Stunden bei Zimmertemperatur, nicht in der Sonne, ausziehen.
  • Nach 12 Stunden alles in einem Kochtopf aufkochen. Fünf bis zehn Minuten sanft köcheln lassen. 
  • Vom Herd nehmen, durch ein Sieb in einen zweiten Kochtopf abseihen. und abkühlen lassen.
  • 150 ml Zitronensaft hinzufügen.
  • Jetzt unter Rühren Konfitura in die kalte Flüssigkeit einrühren (1 gehäuften EL pro 600 ml) – alternativ ein anderes Geliermittel, z.B. Pektin nach Packungsangabe verwenden.
  • Aufkochen und unter ständigem Rühren 3 Minuten kochen lassen.
  • Auf eiskaltem Teller mit 2 EL der Flüssigkeit eine Gelierprobe machen.
  • Wenn das Gelee die richtige Konsistenz hat, heiß in die vorbereiteten Gläser abfüllen. Die Gläser verschließen und fünf Minuten auf dem Kopf stehen lassen. Hat das Gelee noch nicht die richtige Konsistenz, muss es zum Nachdosieren des Geliermittels erst abkühlen.

Kurz notiert

Haltbarkeit: Verschlossen 1 Jahr. Für meine Gelees und Sirupe verwende ich keine Zitronensäure, da diese im Verdacht steht, schädlich für die Gesundheit zu sein. Dies habe ich näher in meinem Blog-Beitrag über den Traubenkirschenblüten-Sirup beschrieben. Stattdessen verwende ich etwas mehr Zucker (um eine gute Haltbarkeit zu erzielen, sollte der Anteil an Zucker bei 50-65 % liegen) sowie Zitronensaft (25 g Zitronensäure entsprechen in etwa 250 ml Zitronensaft = ca. 5 Zitronen). Auf Gelierzucker verzichte ich persönlich, da dieser in der Regel Zitronensäure enthält. Natürlich steht es jedem frei, welches Geliermittel er für das Gelee verwenden möchte.

Warum ich es vermeide, Zitronensäure zu verwenden, kannst du in diesem Blogbeitrag über den Traubenkirschnblüten-Sirup >> nachlesen.

Hier ein Link zum süßen Hefeteig Grundrezept von Bäuerin Christina >>

Hier eine Anleitung, wie die Knöpfe geformt werden >>

Die Hefeknöpfe werden bei 170 Grad ca. 12 bis 15 Minuten im vorgeheizten Ofen gebacken. Ich bestreiche sie vor dem Backen mit Ei, damit sie glänzen und eine schöne Farbe bekommen.

Ich wünsche euch einen wundervollen Auftakt in den Wonnemonat Mai mit all seinen zahlreichen Blüten. Das Gelee könnt ihr natürlich auch mit anderen Blütren machen, zum Beispiel mit Löwenzahn, Holunderblüten oder Rose.

Alles Liebe!

Eure Wilde Möhre

Disclaimer! Wenn man selber Wildpflanzen sammelt und diese nutzt, muss man in der Lage sein, die Pflanze zu hundert Prozent sicher zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen! Die auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Informationen sind sorgfältig zusammengetragen und recherchiert. Dennoch übernimmt der Anbieter dieser Webseite keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte. Die vorgestellten Hausmittel und Rezepturen ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Anwendung bei Babies, Kleinkindern, Kindern, Schwangeren und Menschen mit Bluthochdruck sollte in jedem Fall unter ärztlicher Begleitung bzw. nur mit vorheriger Abklärung durch einen Arzt erfolgen. Bei unklaren, schweren, akuten und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden. Das Nachmachen der Rezepturen und die Anwendung der Tipps geschieht auf eigene Verantwortung.

Fotos: ©Silja Parke

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