Fichte, Tanne & Eibe unterscheiden

by wildemoehre

Der Mai ist die Zeit, in der Fichten- und Tannenwipferl gesammelt werden können, um aus ihnen heilsame Elixiere, wie Sirup, Sauerhonig, Bäder, Tee, Bonbons oder Hydrolate herzustellen. Auch in der Wildkräuterküche finden die kleinen Wald-Köstlichkeiten Anklang. Beim sammeln gibt es allerdings ein paar Dinge zu bedenken und es gibt auch die Verwechslungsmöglichkeit mit der giftigen Eibe. Auf dem Bild oben ist zu erkennen. dass vor allem Tanne und Eibe bei Unwissenheit und auf den ersten Blick ähnlich aussehen können. Beide haben im Gegensatz zur Fichte breitere, flachere und nicht so stechende Nadeln. Aber lest im folgenden Blogbeitrag noch mehr hierzu.

Mystischer Fichtenwald

Dies ist beim Sammeln von Fichte und Tanne zu beachten

Bestenfalls hat man die Möglichkeit, die Fichtentriebe von den Bäumen oder der Fichtenhecke im eigenen Garten zu pflücken, andernfalls sollten die Besitzer der Bäume um Erlaubnis gefragt bzw. wie bei allen anderen Pflanzen auch hier mit Bedacht gesammelt werden. Ein achtsamer Umgang mit den Ressourcen ist die Voraussetzung dafür, dass uns diese kostbaren, heilkräftigen und köstlichen Rohstoffe weiterhin zur Verfügung stehen und auch den zukünftigen Generationen zugänglich sind. Beim Sammeln der Fichtenspitzen sollten nur die tieferen und wenn möglich, innenliegenden Äste beerntet werden. Die Spitzen von mehreren Ästen nehmen und nicht nur von einem Baum die Spitzen sammeln, sondern von Baum zu Baum gehen. Niemals kleine Bäumchen beernten oder Triebe aus der Krone von Bäumen ausreißen. Dies kann zur Verkrüppelung der Bäume führen und ein zweistämmiger Baum daraus entstehen, der nicht nur schneebruch- und sturmgefährdet, sondern auch anfälliger für Pilzbefall und Schädlinge ist, weil diese leichter an der Stelle, wo die beiden Stämme aneinanderwachsen, eindringen können. Merke: Ein guter Sammler hinterlässt den Sammelplatz so, dass von einem Nachfolgenden gar nicht bemerkt wird, dass hier gesammelt wurde. Die Eibe ist im Gegensatz zu Fichte und Tanne giftig und zwar sehr giftig. Daher sollte man die Unterscheidungsmerkmale kennen. Wer die Merkmale kennt, kann die Bäume aber gut unterscheiden. Ich empfehle jedem, einmal die Nadeln verschiedener Bäume nebeneinander zu legen. Im direkten Vergleich erkennt man am besten die Unterschiede und merkt sich diese.

Gewöhnliche Fichte (Picea abies)

  • Nadeln am Grunde nicht stielartig verschmälert
  • Nadeln sind nicht flach, sondern im Durchschnitt rautenförmig und am Kopf spitz und stechend
  • Nadeln auf einem Blattkissen sitzend, das am Zweig zurückbleibt, wenn man die Nadeln auszupft
  • Zweige nach dem Abfallen der Nadeln deutlich rau
  • Zapfen hängend und als Ganzes abfallend, meist unter dem Baum liegend
  • Rinde/Borke in der Jugend glatt und kupfrig, bis rötlich-braun, im Alter graubraun mit sich am Rand aufbiegenden Schuppen 
Merksatz: “Die Fichte sticht, die Tanne nicht.”

Weiß-, Edeltanne (Abies alba)

  • Nadeln am Grunde stielartig verschmälert
  • flache Nadeln mit einem rundlichen Kopf, stechen nicht
  • Nadeln unterseits mit zwei deutlichen, weißen Wachsstreifen
  • Nadeln hinterlassen nach dem Abfallen eine runde Narbe
  • Der Zweig fühlt sich ansonsten glatt an.
  • Zapfen stehend und nicht als Ganzes abfallend (Spindel bleibt stehen)
  • Rinde/Borke in der Jugend weißlich bis hellgrau, glatt, im Alter dunkelgrau, schuppig und rau

Gewöhnliche Eibe (Taxus baccata)

giftig!

  • Nadeln gestielt, flach und nicht stechend
  • Nadeln oberhalb dunkelgrün, unterhalb heller grün
  • Vor allem ältere Nadeln mit erhabener Mittelrippe
  • Rinde/Borke in der Jugend glatt, rötlich-braun, im Alter grau-braun, sich schuppig ablösend
  • Roter, fleischiger, beerenähnlicher Fruchtmantel

Giftwirkung:

In allen Teilen stark giftig, einzige Ausnahme ist der rote, fleischige, Samenmantel der beerenartigen Frucht. Der Samen, der sich in der Mitte der Frucht befindet und vom roten Samenmantel umgeben wird, ist jedoch auch stark giftig!! 

  • Erbrechen, Koliken
  • Pupillenerweiterung, Bewusstseinsstörungen
  • Schädigung des Herzmuskels
  • Tod durch Atemlähmung

Wusstet ihr, dass sich das Wort “toxisch” vom lateinischen Namen “Taxus” ableitet?

Ich freue mich, wenn das interessant für euch war. Ich kann euch wirklich nur ans Herz legen euch einmal die Zeit zu nehmen, alle drei Bäume und wenn ihr Lust habt, noch weitere Baumarten wie Föhre, Zirbe, Thuje, zu suchen und diese zu vergleichen. Schaut euch die Wuchsform und verschiedene Merkmale (wie oben aufgeführt) der Bäume an, legt die Zweige nebeneinander und vergleicht diese miteinander. Die Unterscheidung wird euch dann schon recht bald leicht fallen. Viel Freude dabei und alles Liebe!

Eure Wilde Möhre

Disclaimer! Wenn man selber Wildpflanzen sammelt und diese nutzt, muss man in der Lage sein, die Pflanze zu hundert Prozent sicher zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen! Die auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Informationen sind sorgfältig zusammengetragen und recherchiert. Dennoch übernimmt der Anbieter dieser Webseite keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte. Die vorgestellten Hausmittel und Rezepturen ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Anwendung bei Babies, Kleinkindern, Kindern, Schwangeren und Menschen mit Bluthochdruck sollte in jedem Fall unter ärztlicher Begleitung bzw. nur mit vorheriger Abklärung durch einen Arzt erfolgen. Bei unklaren, schweren, akuten und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden. Das Nachmachen der Rezepturen und die Anwendung der Tipps geschieht auf eigene Verantwortung.

Fotos: ©Silja Parke, ©Andreas Thomasser oder entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0 von der kostenlosen Bilddatenbank Pixabay  entnommen.

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6 comments

Laura 11. Mai 2020 - 09:24

Prima Artikel, vielen Dank!

Reply
wildemoehre 12. Mai 2020 - 19:58

Vielen lieben Dank liebe Laura für dein Feedback.

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Hans Albrecht 5. Februar 2021 - 14:59

anläßlich einer Wanderung wurde über ein Nadelbäumchen diskutiert, ist es Tanne, ist es Eibe. Da ich selbst sehr viel Eiben gezogen habe, staune ich immer wieder über die Vielfalt, aber ob es nun Tanne oder Eibe ist, ich weiß es nicht.
Ist es möglich, auf Deiner Seite auch Bilder einzustellen, um darüber zu diskutieren?
VG Hans

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wildemoehre 9. Februar 2021 - 17:50

Hallo lieber Hans, leider kann man auf meiner Seite keine Bilder einstellen und es gibt kein Diskussionsforum. Aber wenn du unsicher bist, empfehle ich dir, an Kräuterwanderungen in deiner Region teilzunehmen. Liebe Grüße
Silja

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Angela Blum 7. April 2021 - 10:57

Hallo, vielleicht kannst du mir helfen. Auf der Suche nach Unterscheidungsmerkmalen vom Holz der Eibe und Tanne, bin ich hier gelandet 😉.
Ich habe einige Wurzeln von Bekannten bekommen, die ich für meine Zwergziegen zum Klettern verwenden möchte. Eigentlich sollten es Wurzeln von Tannen sein, nun hieß es, Eibe wäre auch dabei! Leider sind sie auch sehr knapp über der Erde gefällt worden.
Worauf sollte ich achten, Farbe, Rinde, harzig?
Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
LG Angela

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wildemoehre 14. Juli 2021 - 09:36

Hallo liebe Angela, das ist etwas schwierig, so zu beschreiben. Ich empfehle dir, Rat von jemandem fachkundigen zu holen und dir die Bäume in der Natur anzuschauen und zu vergleichen. Grundsätzlich hat die Tanne eher eine gräuliche Rinde und die Fichte eine rot-bräunliche, allerdings wird diese im Alter auch gräulich und springt auf. Die Eibe hat eine sehr auffällige, intensiv rot-braune Rinde, die gerne abblättert und ein typisches “Tarnmuster” (Camoflage) ergibt. Im Querschnitt sieht man bei der Eibe darüber hinaus einen Unterschied. In der Regel sind die äußeren Ringe hell und die mittleren dunkel.

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