Grün & G’sund: Frühlings-Smoothie mit Wildkräutern

by wildemoehre

Ode an den Frühling

Es ist soweit! Jaaa! Die ersten Kräuterlein, frisch aus dem Garten gepflückt, sind in meinem Grünen Smoothie gelandet. Was ist es für ein Glücksgefühl zu spüren, dass das Wiedererwachen der Natur bevorsteht. Die hellen Sonnenstrahlen, die so unfassbar glücklich machen und sogar schon ein bisschen wärmen. Die ersten Sonnenhungrigen, die zwar noch eingepackt in Jacken und Wolldecken, aber unter freiem Himmel in den Cafés sitzen, die vielen Spaziergänger die gut gelaunt grüßen, die Schneeglöckchen, die Märzenbecher und Bärlauchspitzen, die ihre Köpfchen aus der Erde recken und das zarte Grün von Wildkräutern wie Vogelmiere und Scharbockskraut verheißen das Ende der dunklen Jahreszeit!

So schön und gemütlich der Winter auch sein kann, aber nun ist die Freude doch groß, dass milde Temperaturen und sattes Grün fast schon wieder zum Greifen nahe sind und die warmen Winterkleider und Stiefel bald bis zum nächsten Winter in ihren “Sommerquartieren” verschwinden dürfen. Diese Gedanken beflügeln mich und lassen mich für einen Augenblick schon die süße Leichtigkeit der hellen und warmen Jahreszeit spüren, an bunt geblümte Sommerkleider und an meine Lieblingsbadestelle an der Königsseeache denken…

Ihr werdet jetzt sagen: Na ja, aber das dauert doch noch ein bisschen. Nun, Vorfreude ist ja bekanntlich eine der schönsten Freuden und ich spüre es förmlich in mir brodeln, so wie es wohl jetzt unter der Erde brodelt, bereit zum Aufbruch!

Maria Lichtmess am 2. Februar steht kurz bevor. “Lichtmess bei Tag ess”, diese Volksweisheit besagt, dass das Abendessen nun wieder bei Tag, also “bei Licht” eingenommen wird. Bei den Kelten wurde um diese Zeit das Jahresfest Imbolc begangen. Es wird vermutet, dass die rituelle Rundumreinigung im Zentrum dieses Ereignisses stand. Was liegt in dieser Zeit also näher, als sich mit frischem Blattgrün vom Winter zu reinigen und die eigene Vitalität mit Wildkräutern und Blattgemüsen zu stärken, die voller Lebendigkeit stecken. Das Ganze kombiniert mit Spaziergängen, für die ich mir ganz bewusst Zeit nehme, ist einfach nur herrlich, denn ab jetzt wird wirklich spürbar, was zur Wintersonnenwende am 21. Dezember begann. Die Tage werden wieder deutlich länger, das Licht überwiegt gegenüber der Dunkelheit und draußen gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken.

Das ist also der Startschuss in ein neues Kräuterjahr meine Lieben! Los geht’s! Ich habe mal gleich mit einem gesunden und belebenden Grünen Smoothie begonnen, lest hier mehr darüber…

Die ersten Frühlingsboten...

Impressionen meiner Erkundungs-Spaziergänge

Schneeglöckchen (giftig - kein Verzehr!!)
Bärlauch
Märzenbecher (giftig - kein Verzehr!!)

Grün & g'sund

Grüne Smoothies sind Mixgetränke aus Wasser, Früchten, Blattgemüsen und Kräutern bzw. Wildkräutern, wobei das Verhältnis von Früchten zu Blättern bestenfalls 1:1 sein sollte. Smoothies gelten als gesundheitsfördernd und sind im Frühjahr sehr beliebt, wenn es darum geht, den Organismus zu entgiften, zu entlasten und wieder in Schwung zu bringen.

Smoothies sind eine von vielen Möglichkeiten, Blattgrün und Wildkräuter in die Ernährung einzubinden, sie sollten aber nicht die alleinige Quelle darstellen.
Grüne Power im Glas

Chlorophyll - "Grüne Kraft" für Körper, Geist und Seele

Neben den Vitaminen, Mineralstoffen und Enzymen, mit denen Smoothies uns versorgen, ist ganz wesentlich das Chlorophyll aus den grünen Blättern an der positiven Wirkung von Smoothies beteiligt. Chlorophyll ist das Farbpigment, das den Pflanzen ihre grüne Farbe verleiht und es den Pflanzen ermöglicht, Photosynthese zu betreiben, denn das Chlorophyll ist ein lichtabsorbierender Farbstoff. Bei der Photosynthese wird die Lichtenergie der Sonne in biochemische Energie umgewandelt. Mittels dieser biochemischen Energie kann die Pflanze unter Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft und Wasser aus dem Boden Zucker aufbauen. Mit Hilfe des Zuckers und den im Bodenwasser gelösten Nährstoffen produziert die Pflanze nun alle lebensnotwendigen Substanzen, die sie schützen, gesund erhalten und ihr helfen zu wachsen und zu gedeihen.

Interessanterweise ähnelt das Chlorophyll der Pflanzen sehr unserem menschlichen roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Die beiden Stoffe sind nahezu identisch aufgebaut. Chlorophyll wird deswegen auch “Grünes Blut” genannt. Es unterstützt den menschlichen Organismus beim Aufbau frischer Blutzellen, es hilft den Körper von schädigenden Giften zu befreien, sorgt für einen geregelten Stoffwechsel und für einen guten Körpergeruch. Sogar die Wundheilung und Regeneration von Strahlenschäden soll durch Chlorophyll gefördert werden. Insgesamt hat es einen positiven Einfluss auf die Qualität unseres Blutes und damit natürlich auch auf die Gesundheit unserer Organe und auf unser Wohlbefinden. Dies zeigt sich nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf seelischer und psychischer Ebene. So sorgt die “Grünkraft” auch für stärkere Nerven.

Das Geheimnis liegt im rechten Maß

Smoothie versus feste (Roh)kost

Ein grüner Smoothie ist nur eine Möglichkeit Blattgrün in die Ernährung einzubauen. Smoothies sollten aber nicht die einzige Form der Aufnahme von Gemüse, Wildkräutern und Obst sein, auch wenn das einfach und praktisch wäre, denn das Kauen hat eigentlich eine wichtige Funktion. Es gibt dem Gehirn Signale, die dazu führen, dass die Sättigung eintritt. Zudem ist es möglich in flüssiger Form weitaus mehr auf einmal zu sich zu nehmen, als das beim “normalen” Essen von fester Nahrung möglich wäre. Daher sollte man den Smoothie auch als vollwertige Mahlzeit und nicht als “Getränk” ansehen und sich die Zeit nehmen, den Smoothie bewusst und in Ruhe zu trinken. Dabei sollte man den Smoothie im Mund hin und her schwenken und auch einspeicheln. Der Kontakt mit dem Speichel ist wichtig, denn er leitet die Verdauung ein und enthält u.a. Enzyme, die an der Verdauung und am Stoffwechsel beteiligt sind. Ein Smoothie hin und wieder ist eine gute Sache. Er ist gesund und noch dazu ein Genuss. Ein Verzehr von Smoothies kann aber kein alleiniger und dauerhafter Ersatz für auf herkömmliche Weise gegessene und gekaute (Roh)kost sein.

Hier das Rezept für meinen Smoothie! Ihr könnt bei den Zutaten natürlich ganz nach Belieben variieren. Es ist auch sinnvoll, immer wieder unterschiedliche Zutaten zu verwenden.

Grüner Frühlings-Smoothie mit Vogelmiere & Scharbockskraut

Die ersten Wildkräuter sprießen wieder. Ich mache Freudensprünge! Das Rezept meines ersten “Frühlings-Smoothies” mit Scharbockskraut und Vogelmiere und was es mit dem Gesundheitswert von Chlorophyll auf sich hat […] Rezept drucken
Menge: 2 Gläser

Zutaten

  • 1 Handvoll Vogelmiere
  • 1 Handvoll Feldsalat oder Postelein
  • 10 Blättchen Scharbockskraut (Achtung! Nur vor der Blüte! Alternativ andere Frühlingskräuter, z.B. Giersch verwenden)
  • Ein paar Blättchen Minze
  • 1 reife Banane
  • 1 Apfel
  • 1 TL Honig
  • Etwas Zitronenzeste
  • 1 EL Zitronensaft
  • 300 ml Wasser
  • 1 Glas crushed Ice

Und so geht’s

Alle Zutaten im Hochleistungsmixer zu einem cremigen Smoothie pürieren, in Gläser füllen, mit Kräutern und Blüten dekorieren und genießen. 🌿

 

Die Frühlingskräuter

Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)

Verwendung der Blätter ausschließlich vor der Blüte!!

Das Scharbockskraut hat eine besondere Bedeutung in der Wildkräuterküche, da es schon im Winter, weit vor anderen Kräutern verfügbar ist und einen hohen Vitamin C Gehalt besitzt. Deswegen wurde es früher auch gegen Skorbut eingesetzt, die Vitaminmangelkrankheit wurde früher auch “Scharbock” genannt. Ranunculus ficaria gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse, für die u.a. Scharfstoffe (Protoanemonine) typisch sind und die als giftig gelten. Das Scharbockskraut ist eine Ausnahme. Vor der Blüte ist der Stoff in so geringer Konzentration enthalten, dass es in normalen, nicht übermäßigen Mengen, genossen werden kann und ein guter Vitaminlieferant ist. Als grünes Kraut beinhaltet es natürlich auch das gesunde Chlorophyll. Ab der Blütezeit im Februar/März nimmt dann der Gehalt an Protoanemonin zu, die Blätter werden bitter und sollten nun nicht mehr gegessen werden. Es ist also wirklich eines der ersten Wildkräuter, schon im Winter! Ihr könnt die Blätter nicht nur prima als Zutat für euren Smoothie, sondern auch für Kräuterbutter, als Salatbeigabe oder eine halbe Handvoll für Suppen und Füllungen verwenden.

Verwechslung möglich mit Gundermann (Glechoma hederacea) und Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), beide ungiftig.

Scharbockskraut - ranunculus ficaria

Scharbockskraut – Ranunculus ficaria. Das Kraut sollte nur vor der Blüte verzehrt werden.

Scharbockskraut - ranunculus ficaria

Blüte des Scharbockskrautes – Ranunculus ficaria. 

Vogelmiere (Stellaria media)

Verwendung der Blätter und Blüten

Die Vogelmiere ist das ganze Jahr hindurch zu finden und vergesellschaftet sich gerne mit uns Menschen. Sie ist u.a. häufig an Häusern und in Gärten zu finden und siedelt sich auch gerne mal in Blumenkästen und -kübeln an. Das ist sehr praktisch, denn quasi rund ums Jahr versorgt sie uns auf diese Weise mit Vitaminen und Vitalstoffen, ohne dass wir lange nach ihr auf die Suche gehen müssen. Die Vogelmiere enthält auch Flavonoide. Diese sind in nahezu allen Wildkräutern enthalten. Es gibt sehr viele unterschiedliche Flavonoidarten, je nach Typ wirken sie u.a. antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. Als Antioxidantien schützen sie vor Angriffen freier Radikale, beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und einigem mehr. Der Geschmack der Vogelmiere ist mild, ein wenig wie Mais oder Erbsen. Die Blättchen sind sehr zart und machen sich nicht nur im Smoothie gut, sondern auch in Salaten, grünen Suppen, Aufstrichen und Füllungen. 

Verwechslung möglich mit weiteren ungiftigen Mierenarten und Hornkräutern aber auch mit Gauchheilarten (giftig).

Vogelmiere - Stellaria media

Vogelmiere – Stellaria media. Sowohl Blätter als auch Blüten können verzehrt werden.

Tipp!

Nur weil Wildkräuter gesund sind, heißt es nicht, dass man sie in rauen Mengen verzehren sollte. Ich persönlich denke, es ist eher das Gegenteil. Es ist wie mit anderen Lebensmitteln auch, am besten ist es ein ausgewogenes Maß zu finden. Eine Handvoll Wildkräuter am Tag sind sicher schon sehr gut, um euch mit wichtigen Stoffen zu versorgen und um die Körperfunktionen zu unterstützen. Versucht dabei auf Vielfalt zu achten und zu mischen, dann bekommt ihr über die Pflanzen auch ein breites Spektrum an gesunden Inhaltsstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Senföle, Flavonoide etc.) und vermeidet eine Überdosierung.

Vielleicht habe ich euch ein bisschen Lust auf “frisches Grün” gemacht. Ich wünsche euch viel Freude beim Start in die neue Kräutersaison. Genießt die ersten Frühjahrsboten und haltet die Augen offen, dann werdet ihr jeden Tag etwas Neues entdecken. Bald wird es in meinem Blog übrigens wissenswertes über den Bärlauch geben. Sammeln, Erkennen und Verwenden. Bis bald Ihr Lieben!

Eure Wilde Möhre

Disclaimer! Wenn man selber Wildpflanzen sammelt und diese nutzt, muss man in der Lage sein, die Pflanze zu hundert Prozent sicher zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen! Die auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Informationen sind sorgfältig zusammengetragen und recherchiert. Dennoch übernimmt der Anbieter dieser Webseite keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte. Die vorgestellten Hausmittel und Rezepturen ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Anwendung bei Babies, Kleinkindern, Kindern, Schwangeren und Menschen mit Bluthochdruck sollte in jedem Fall unter ärztlicher Begleitung bzw. nur mit vorheriger Abklärung durch einen Arzt erfolgen. Bei unklaren, schweren, akuten und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden. Das Nachmachen der Rezepturen und die Anwendung der Tipps geschieht auf eigene Verantwortung.

Fotos: ©Silja Parke; ©Andreas Thomasser; Blüte Ranunculus ficaria entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0 von der kostenlosen Bilddatenbank Pixabay  entnommen

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5 comments

Isabell Resch 1. Februar 2018 - 14:21

Liebe Silja!
Du hast Glück:-) Bei mir schneit’s grad so, dass es binnen Minuten wieder weiß ist 🙂 Aber das wird sich ja auch wieder ändern.
Vielen Dank für den tollen Beitrag! Werde deinen Smoothie auf alle Fälle probieren (das Scharbockskraut wuchert in meinem Garten; nur die Vogelmiere muss ich suchen – die hab ich nicht hier:-)
Alles Liebe Isabell

Reply
wildemoehre 1. Februar 2018 - 16:32

Hallo liebe Isabell! Ja, der Frühling kommt ja zum Glück auf jeden Fall, ob nun früher oder später. 🙂 Heute habe ich von belaubten Bäumen geträumt und es hat mich wieder einmal beeindruckt, wie sehr wir Menschen uns jedes Jahr aufs Neue über das “Wiederergrünen” der Natur freuen und uns selbst dabei auch wie “neugeboren” fühlen. Viel Freude mit dem Smoothie. 🙂 Der geht aber auch ohne Vogelmiere, da kannst du variieren, je nachdem was du gerade hast. Alles Liebe und bis ganz bald! Silja

Reply
Sonja Cremer 9. März 2018 - 11:54

Liebe Silja,

ein sehr schöner Blog. Toll. Ich freue mich auch schon riesig auf das Kräuter sammeln. Besonders im Frühjahr sind die Kraftpakete so herrlich zart und lecker.

Ich freue mich schon auf Deine nächsten Beiträge!

Viele Grüße
Sonja

Reply
wildemoehre 9. März 2018 - 15:08

Liebe Sonja, Danke für das Lob! Es freut mich sehr, natürlich insbesondere auch dann, wenn es von einer Kollegin kommt. Da schaue ich mal gleich auch auf deine Seite. Ich freue mich über “kräuterlichen” Austausch. 🙂
Alles Liebe aus Salzburg
Silja

Reply
Pflanzenportrait: Gewöhnliche Vogelmiere (Stellaria media) - Wilde Möhre Blog 15. April 2022 - 11:02

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