Das erste Wildobst ist reif! Leckerer Likör aus Felsenbirnen einfach selbst gemacht.

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Das erste Wildobst ist reif! Leckerer Likör aus Felsenbirnen einfach selbst gemacht.

Nun ist es soweit, nach den Walderdbeeren sind auch die Felsenbirnen reif. Aus ihnen lässt sich ein herrlicher Likör herstellen. Das feine Tröpfchen kommt ganz schlicht ohne eine Vielzahl von Zutaten aus. Nur eine feine Zimtnote verleiht ihm das gewisse Etwas und macht ihn zum perfekten Begleiter zu herbstlichen und winterlichen Desserts, zu Kaffee und Kuchen. Die Früchte können geerntet und verarbeitet werden, wenn sie eine Farbe, wie reife Pflaumen angenommen haben. Auch der Likör bekommt eine tief rote Farbe und der Geschmack hat ein wenig etwas mit reifen Pflaumen gemein. Er gehört zu meinen beliebtesten Likören und findet alljährlich großen Anklang bei Freunden und Familie. Ich selbst bin der absolute “Likörfan”, seitdem ich meine Liköre selber mache. Was gibt es Schöneres, als die sich die Schätze der Natur auf den Tisch und ins Glas zu holen? Für mich gehört auch ein wenig Nostalgie dazu. Stilvoll mit Omis alten Likörgläschen und Goldrandporzellangeschirr mit romantisch-floralem Dekor werden alle SINNE verwöhnt. Die Sinne stimulieren, dich beim Sammeln mit der Natur verbinden und erden, dich daran erinnern, dass du dir Gutes tun und dir kleine Pausen nehmen sollst, um gesund zu bleiben. Das alles können unsere Wildpflanzen. Mit Freude und in Maßen genießen, das bedeutet für mich pure Lebensbejahung. Da dürfen es auch MAL ein paar Schlückchen Alkohol und ein wenig Zucker sein…

Oh Freude, oh Freude!

reifes Wildobst vor der Haustür - die Felsenbirnen sind reif...

Wenn die Felsenbirnen ihre Farbe von rot zu tief violett wechseln, sind sie reif und können geerntet werden.

Felsenbirne

Felsenbirnen (Alemanchier) sind sommergrüne kleine Bäume und Sträucher. Hauptsächlich sehen wir die Felsenbirnen als Zierpflanzen in den Gärten und Parkanlagen. Viele gehen an der Felsenbirne vorbei oder  haben sie im Garten und wissen gar nicht, dass die Früchte der Felsenbirne essbar sind. Der  lateinische Name unserer heimischen Felsenbirne “Alemanchier ovalis”  (Echte oder Gewöhnliche Felsenbirne) ist keltisch-gallischen Ursprungs und bedeutet “Äpfelchen” oder “Mispeln”. Der Volksmund nennt sie auch “Felsenmispel” oder “Edelweißstrauch”. Die Namen “Felsenbirne” und “Felsenmispel” beziehen sich auf den natürlichen Standort. Sie liebt trocken-warme und lichte Felsgebüsche, Kalk, Fels, Föhrenwälder und Südlagen. Auch unzugängliche Felswände besiedelt die Felsenbirne, das hat sie wohl mit dem Alpen-Edelweiß gemein. Der Name “Edelweißstrauch” soll sich aber doch eher auf die großen, weißen, sternförmigen Blüten der Felsenbirne beziehen. Zierarten gibt es jede Menge und so ist die Felsenbirne auch wirklich eine schöne Zierde für den Garten. Angefangen mit wunderschönen Blüten, schenkt sie köstliche Früchte und im Herbst zauberhaft gefärbte Blätter, die von grün, gelb bis tiefrot oft alle Farben enthalten. 

Blüten im zeitigen Frühjahr. Wegen der großen, weißen, sternförmigen Blüten nennt der Volksmund die auch "Edelweißstrauch".
Jahreszyklus des aparten Strauches - Blüte - Frucht - Herbstlaub
Die Früchte der Felsenbirne sehen ein bisschen wie kleine Äpfelchen oder Mispeln aus.

Achtung bei den Kernen (!)

Die Felsenbirne ist ein Rosengewächs. Deren Früchte enthalten in der Regel Glykoside, die beim Zerkauen Blausäure abspalten. Ein übermäßiger Verzehr kann daher zu Magen- und Darmbeschwerden bzw. Vergiftungen führen. Das Problem besteht nur beim Zerkauen. Unzerkaute Kerne werden einfach wieder ausgeschieden. Beim Likör ist das kein Problem, da die ganzen Früchte im Alkohol ausgezogen werden. Wenn eine Marmelade oder ein Gelee aus den Felsenbirnen machen wollt, streicht die Früchte hierfür einfach durch ein feines Sieb, so dass die Kerne hierin zurückbleiben. Beim Essen der puren Früchte einfach nicht die Kerne zerbeißen, sondern schlucken. Eine Birne ist die Felsenbirne übrigens nicht. Beide gehören aber zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und zur Unterfamilie der Kernobstgewächse (Pyrinae), sind aber unterschiedlichen Gattungen (Birnen und Felsenbirnen) zugeordnet.

Das Gewürz Zimt wird aus der getrockneten Rinde verschiedener Zimtbäume gewonnen. Es werden in der Regel zwei verschiedene Zimtsorten angeboten – Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) und Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia). Die Zimtstangen werden aus abgeschälten und zusammengerollten Rindenstücken vom Zimtbaum gemacht. Sie können gut zum Aromatisieren sowie zum Mitkochen oder Mitbraten verwendet werden.

Ceylon-Zimt

süßlich-herb mit Nelkenaroma (Eugenol)

Ceylon-Zimtstangen erkennt man an ihrer hell- bis gelbbraunen Farbe. Sie enthalten bis zu zehn Lagen feinster, innerer Bastschichten, die meistens von beiden Seiten aufgerollt sind. Sie haben einen süßlich-herb-holzigen Duft mit feinen Noten von Gewürznelken und Zitrusschalen. Im Ceylon-Zimt ist übrigens Eugenol enthalten, das für das Nelkenaroma von Gewürznelken verantwortlich ist und auch in unserer Nelkenwurz vorkommt, weswegen sie früher als Nelkenersatz verwendet wurde. 

Cassia-Zimt

süßlich-bitter und feurig mit weitaus mehr Cumarin

Cassia-Zimt duftet intensiver, feuriger, mit süßlich-bitteren Anklängen von Bittermandel. Welcher Zimt gewählt wird, ist Geschmackssache. Für meinen Likör habe ich Cassia verwendet. Man sollte aber wissen, dass Cassia einen deutlich höheren Gehalt an Cumarin (bis zu 400mal höher als Ceylon-Zimt) besitzt. Cumarin, das auch unserem Waldmeister den typischen Duft verleiht, gilt in größeren Mengen als gesundheitsschädlich. In geeigneten Dosierungen wird Cumarin aber eine entzündungshemmende, gewebsentwässernde und lymphflussanregende Wirkung zugeschrieben. Waldmeister kommt daher bei Hämorrhoiden und Venösen Erkrankungen zum Einsatz. Auch herrlich entspannend ist Cumarin, allein schon der Duft nach frisch gemähtem Heu! So sind Waldmeister und der ebenfalls Cumarin enthaltende Steinklee beliebt für Duftkissen, aber auch als Tee oder in der Teemischung ein Beruhigungsmittel. Bei Überdosierung von Cumarin können Kopfschmerzen auftreten, deswegen für die Maibowle nicht mehr als 3 Gramm frisches Kraut pro Liter verwenden! In großen Mengen kann es durch das Cumarin als Gerinnungshemmer auch zum Abbau roter Blutkörperchen kommen. Zu lange Einnahme kann zu passageren Leberschäden führen. Als Gewürz wird Zimt daher maßvoll verwendet. Das reicht auch vollkommen aus, da er ein intensives Aroma hat und sonst leicht zu intensiv werden kann.

Zutaten

500 g Felsenbirnenfrüchte

250 g Brauner Kandiszucker

1 Zimtstange

1 Liter Wodka 38% oder ein anderer Ansatzalkohol deiner Wahl

Ich persönlich verwende sehr gerne Wodka zum Ansatz von Likören, da dieser sehr geschmacksneutral ist.

Und so geht's

Alle Zutaten in einem verschließbaren Glas ansetzen. Likör mindestens 6 Wochen an einem zimmerwarmen Ort, nicht unter direkter Sonneneinstrahlung, ausziehen lassen. Durch ein feines Sieb, ein Leinentuch oder einen Kaffee- oder Milchfilter abseihen, in saubere Flaschen füllen und dann noch einige Wochen ziehen und reifen lassen. Wenn der Likör weich und rund ist, könnt ihr ihn genießen. Prost und alles Liebe!

Eure Wilde Möhre

Disclaimer! Wenn man selber Wildpflanzen sammelt und diese nutzt, muss man in der Lage sein, die Pflanze zu hundert Prozent sicher zu erkennen. Bei Unsicherheit ist von der Nutzung unbedingt abzusehen! Die auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Informationen sind sorgfältig zusammengetragen und recherchiert. Dennoch übernimmt der Anbieter dieser Webseite keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Seiten und Inhalte. Die vorgestellten Hausmittel und Rezepturen ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Anwendung bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit Bluthochdruck sollte in jedem Fall unter ärztlicher Begleitung bzw. nur mit vorheriger Abklärung durch einen Arzt erfolgen. Bei unklaren, schweren, akuten und anhaltenden Gesundheitsbeschwerden reichen Hausmittel nicht aus und es sollte ein Arzt konsultiert werden. Das Nachmachen der Rezepturen und die Anwendung der Tipps geschieht auf eigene Verantwortung.

10. Juni 2018

Fotos: ©Silja Parke; Fotos u.a.  (Felsenbirnenblätter) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0 von der kostenlosen Bilddatenbank Pixabay  entnommen

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2 thoughts on “Das erste Wildobst ist reif! Leckerer Likör aus Felsenbirnen einfach selbst gemacht.

  1. Der Likör klingt ja lecker! Bisher habe ich die Felsenbirnen immer nur so genascht und mag sie sehr gerne. Das mit den Kernen wird schon nicht so schlimm sein, hoffe ich. Gerade diese leichte Bittermandelnote finde ich lecker. Dieses Jahr hängen die Sträucher bei uns so voll, dass ich schon überlegt habe, sie zu verarbeiten. Dank für den Tipp!

    Liebe Grüße,
    Miri

    1. Hallo liebe Miri, nein, beim ganz normalen Naschen vom Strauch ist das nicht schlimm. Man sollte nur die Kerne zum Beispiel nicht mitpürieren, sondern die Früchte vorher durch ein Sieb streichen. Durch Hitzeeinwirkung verflüchtigt sich die Blausäure jedoch auch. Ich wünsche dir viel Freude beim Verarbeiten deiner Felsenbirnen. Eine Marmelade unter Zugabe von etwas Apfel und Birne ist übrigens auch lecker. Du hast aber auch eine sehr schöne Seite mit tollen Rezepten. Da muss ich auch mal stöbern. 🙂 Alles Liebe! Silja

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