Kapuzinerkresseessig und -tinktur selber machen

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Kapuzinerkresseessig und -tinktur selber machen

Ich genieße es gerade richtig, dass in unserem Garten einige Kräuter immer noch so sprießen, auch wenn es langsam herbstlich wird. Die Kapuzinerkresse zum Beispiel, sie wuchert und wuchert. Von ihr hat man richtig lange etwas. Ohne müde zu werden, produziert sie eifrig immer wieder neue Blätter, Blüten und Früchte. Da bleibt neben dem, was direkt, sofort und frisch in der Küche verarbeitet wird, noch genug für die Konservierung übrig. Deswegen habe ich nun schon einmal für die kalte Jahreszeit vorgesorgt und einen herrlichen Essig und eine Tinktur für Erkältungszeiten und zur Stärkung des Immunsystems angesetzt.

Mit Kräuteressigen lassen sich leicht und schnell Pflanzen konservieren

Kräuteressige

Mit Kräutern aromatisierte Essige sind ganz schnell selbst gemacht. Eine tolle Variante also, wenn man mehr Kräuter im Garten oder auf dem Balkon hat, als man gerade frisch in der Küche verwerten kann und nicht viel Zeit für die Konservierung und Verarbeitung aufwenden möchte. Für einen Kräuteressig können fast alle Gartenkräuter und auch Blüten und Früchte eingelegt werden. Wichtig ist, dass ihr einen hochwertigen Essig verwendet. Wein- und Apfelessig eignen sich besonders gut. Der Essig sollte mindestens 5 Prozent Säure enthalten. Insbesondere Apfelessig ist sehr gesund. Er enthält wichtige Enzyme und Mineralstoffe, er fördert die Verdauung, hilft bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels und des Cholesterins und er wirkt gegen Pilze, Bakterien und Parasiten. Viele kennen ihn auch als Spülung, die das Haar glänzend und weich macht. Um in den Genuss dieser positiven Eigenschaften zu kommen, solltet ihr beim Kauf darauf achten, dass ihr einen guten, naturtrüben und unpasteurisierten Bio-Apfelessig nehmt. So ein Kräuteressig ist in einer hübschen Flasche und verziert mit einem Band und Etikett immer auch ein schönes Geschenk und Mitbringsel.

Die Blätter und Blüten der Kapuzinerkresse enthalten Scharfstoffe. Das macht sie nicht nur lecker, sondern auch heilsam und immunstärkend.

Kräuteressige sind ein altes und einfaches Konservierungsmittel

Ursprünglich wurde die aus Südamerika stammende Pflanze als Ziergewächs zu uns gebracht. Es gibt Kapuzinerkressen mit orangen, gelben und roten Blüten. 

Kapuzinerkresseblüten-Essig

Ein Essig aus Kapuzinerkresseblüten ist aus vielen Gründen toll. Der Essig bekommt durch die Blüten eine herrliche, orange Farbe, das sieht wirklich hübsch aus. Der leicht scharfe Kressegeschmack überträgt sich fein auf den Essig. Damit eignet er sich wunderbar für Garten- und Blattsalate und gibt dem Salatdressing eine besondere Note. Wenn man die Früchte der Kapuzinerkresse mit in den Essig gibt, erhält man köstliche, kapernähnliche Antipasti und ganz nebenbei hat man mit dem Blütenessig auch noch ein tolles Heil- und Pflegemittel im Schränkchen stehen. Denn Kapuzinerkresse ist ein natürliches Antibiotikum, stärkt die Abwehrkraft und wirkt gegen Infektionen der Harn- und Atemwege. Darüber hinaus ist die Kapuzinerkresse sehr gesund für den Magen und den Darm. Zu verdanken ist das den in der Pflanze enthaltenen Scharfstoffen und Senfölglykosiden. Auch für eine Haarspülung bei strapaziertem, schuppigen oder fettigem Haar kann der Blütenessig verwendet werden.

Die runden Blätter mit der in der im Mittelpunkt angewachsenen Stängel sind charakteristisch. Sie beschatten den Boden und schützen ihn damit vor Austrocknung. Eine Strategie der Pflanze, auch bei Hitze und Trockenheit überlebensfähig zu sein.

Kapuzinerkresse, ein natürliches Antibiotikum

Die Blätter der Kapuzinerkresse haben eine raue Oberfläche, denn sie sind mit Noppen aus feinsten Wachskristalloiden besetzt. An diesen bleibt kein Schmutz haften, man nennt das "Lotuseffekt".

Die Kapuzinerkresse ist pflegeleicht und wächst praktisch in jedem Garten. Sie ist auch für den Kübel und den Balkonkasten gut geeignet. Im Garten und auf dem Balkon liefert sie uns ständig frische, essbare Dekoblüten. Die frischen Blätter kann man in den Salat und als Würze an Speisen geben. Will man die Wirkkraft der Kapuzinerkresse konservieren, sollte man auf Methoden wie Essig und Tinktur zurückgreifen, denn getrocknet ist das Kraut, wie der Bärlauch auch, praktisch wertlos, denn die Wirkstoffe gehen beim Trocknen verloren. Dennoch ist getrockneter Bärlauch häufig Bestandteil verschiedener Würzmischungen. Wer möchte, kann natürlich auch Kapuzinerkresse in getrocknete Würzmischungen hinein geben.

Kapuzinerkresseessig - so wird's gemacht:

Zutaten

  • 1-2 Handvoll Blüten
  • 0,5 Liter Wein- oder Apfelessig. Wenn man den Essig auch als "Heil- und Haarpflegeessig" verwenden möchte, eignet sich Apfelessig besonders gut. Möchte man Kapern, bietet es sich an, gleich die doppelte Menge (1 Liter) Essig anzusetzen.
  • ggf. Früchte der Kapuzinerkresse für Kapern

Die Blüten mit einem scharfen Küchenmesser oder einer Kräuterschere klein schneiden und locker in ein Glas oder eine weithalsige Flasche füllen. Mit Essig aufgießen und eine Woche lang bei Raumtemperatur und nicht bei direkter Sonneneinstrahlung ausziehen lassen. Dann abseihen und in eine saubere und keimfreie Flasche abfüllen. Wenn gewünscht, können nun die Früchte in den Essig gegeben werden. Praktisch ist, die Früchte in ein Schraubglas zu geben, mit einem Teil des Essigs zu übergießen und den restlichen Essig separat in eine Flasche zu füllen. Nach einigen Wochen sind die Früchte im Essig weich und zu einer herrlichen, leicht pfeffrigen und kapernähnlichen Beilage geworden.

Kapuzinerkresseessig ist nicht nur lecker im Salat, er ist auch heilsam und pflegend.

Nicht nur lecker - auch heilkräftig

Für eine stoffwechsel- und darmregulierende Kur werden 2 Teelöffel Essig, am besten morgens, ca. 15 Minuten vor dem Frühstück, in ein Glas Wasser gegeben und getrunken.

Bei Angina oder Halsweh kann der Essig im Verhältnis 1:5 verdünnt mit lauwarmen Wasser gegurgelt werden.

Die gleiche Mischung eignet sich zur Haarpflege und wird wie eine Spülung verwendet. Wenn man eine sehr empfindliche Kopfhaut hat, kann man die Haarpflege erst einmal an einer kleinen Stelle auf Verträglichkeit prüfen.

Noch eine Konservierungsvariante fürs Medizinschränkchen: Gut vorgesorgt für den Winter mit der Kapuzinerkressetinktur.

Kapuzinerkressetinktur

Eine Tinktur wird in der Regel aus einem Teil Droge (Kraut, Wurzel, Frucht) und fünf Teilen Auszugsmittel (Alkohol) hergestellt. Bei unserer Tinktur geschieht dies durch Mazeration, d.h., unser Ausgangsstoff, also die frischen Blätter, Knospen, Blüten und Früchte der Kapuzinerkresse, werden einige Tage lang einer Flüssigkeit, in unserem Fall Alkohol, ausgesetzt. Die wasser- und alkohollöslichen Inhaltsstoffe können sich dadurch aus den Pflanzenteilen lösen und gelangen in unsere Tinktur. In dem Alkohol sind die Inhaltsstoffe nun für lange Zeit konserviert und auf diese Weise für uns jederzeit und bei Bedarf verfügbar. Der Kapuzinerkresse wird eine Aktivierung der körpereigenen Abwehrkraft zugeschrieben, weswegen sie nützlich in der Erkältungszeit ist. Aufgrund der keimhemmdenden Wirkung werden Extrakte der Kapuzinerkresse u.a. bei Harnwegsinfektionen und bei Entzündungen der Luftwege, wie Bronchitiden und grippalen Infekten angewendet. 

Für eine Tinktur werden eigentlich die Kapuzinerkresseblätter verwendet. Ich habe trotzdem auch einige Knospen, Blüten und Früchte hinzu gegeben, um die Wirkstoffe aus allen Pflanzenteilen zu konservieren. Ich persönlich empfinde dies als ganzheitlicher.

Ganz nebenbei lassen sich auch hübsche Gewürzsträußchen aus der Kapuzinerkresse binden, sie dürfen dann direkt und ganz frisch in den Salat.

Kapuzinerkressetinktur - so wird's gemacht:

Zutaten

  • 1 gut verschließbares Gefäß für die Mazeration
  • 1 lichtundurchlässige Tropfflasche (z.B. aus Braunglas in Apotheken erhältlich) zum Abfüllen
  • Frische Kapuzinerkresseblätter, wer mag, nimmt auch ein paar Knospen, Blüten und Früchte hinzu
  • 40-prozentiger Alkohol

Die Pflanzenteile mit einem scharfen Küchenmesser oder einer Kräuterschere klein schneiden und locker in ein gut verschließbares Glas füllen. Dann mit 40-prozentigem Alkohol auffüllen. Das Volumen-Verhältnis von Pflanzenmaterial zu Alkohol soll in etwa 1:5 sein. Ihr könnt zum Ausziehen entweder Ansatzalkohol oder Obstschnaps verwenden oder aber Weingeist mit einem sehr hohen Ethanolgehalt aus der Apotheke besorgen und diesen mit Wasser auf den gewünschten Ethanolgehalt von 40 Prozent herunter verdünnen.

Die Tinktur wird nun gut verschlossen und bei Zimmertemperatur zehn Tage bis drei Wochen aufbewahrt und täglich geschüttelt, das ist wirklich wichtig. Nach Ablauf dieser Zeit wird die Tinktur abgeseiht und in lichtundurchlässige Tropfflaschen abgefüllt. So kann sie nun an einem kühlen und dunklen Ort richtig lange aufbewahrt werden.

Kleiner Exkurs: Der richtige Ethanolgehalt

Unterschiedliche Pflanzen enthalten auch unterschiedliche Inhaltsstoffe, z.B. ätherische Öle, Gerbstoffe oder Scharfstoffe, wie unsere Kapuzinerkresse. Je nachdem, welche Wirkstoffe ausgezogen werden sollen, sollte der Ansatzalkohol einen entsprechenden Ethanolgehalt haben. Bei ätherischen Ölen ist dieser beispielsweise viel höher anzusetzen, als bei Scharfstoffen, denn Scharfstoffe sind im Gegensatz zu ätherischen Ölen wasserlöslich. 

Weingeist aus der Apotheke mit hohem Ethanolgehalt kann individuell herunter verdünnt werden.

Hier eine kleine Übersicht verschiedener Pflanzeninhaltsstoffe und dem entsprechenden Ethanolgehalt:

Ätherische Öle: 50-70%

Bitterstoffe: 35-50%

Flavonoide: 35-50%

Gerbstoffe: 35-65%

Saponine: 20-35%

Scharfstoffe: 35-50%

Schleimstoffe: 18-30%

Um beispielsweise 100 ml 40-prozentigen Alkohol zu erhalten, wenn ich als Ausgangslösung einen Weingeist mit 96,3% Ethanol habe, muss ich 61,16 g Wasser zu 33,64 g meines Weingeistes geben. Errechnen könnt ihr dies mit Hilfe von Ethanolrechnern, wie diesem: https://www.ptaheute.de/labor-rezeptur/ethanolrechner/

Anwendung der Tinktur

Von der Tinktur können drei Mal am Tag ca. 20 bis 25 Tropfen eingenommen werden. Hierzu gibt man die Tinktur nach dem Essen in ein Glas mit Wasser und trinkt die Mischung. Die Tinktur eignet sich für Harnwegsinfektionen, z.B. Blasenentzündungen, bei Halsweh, grippalen Infekten und Entzündungen der Atemwege. Sie sollte bereits dann eingenommen werden, wenn sich Beschwerden ankündigen, bzw. vorbeugend zur Kräftigung des Immunsystems. Ist eine akute Entzündung da, sollte ein Arztbesuch auf dem Programm stehen. Generell ersetzen Tinkturen natürlich auch nicht den Gang zum Arzt, es handelt sich um ein Hausmittel, das heilend und vorbeugend unterstützen kann. 

 

Die Tinktur sollte nicht länger als vier bis sechs Wochen eingenommen werden und eignet sich nicht für Kleinkinder, Säuglinge, Kinder und Menschen mit Magen-, Darm-und Nierenproblemen. Für größere Kinder könnte ggf. statt mit Alkohol ein Einsatz mit Apfelessig gemacht werden und dieser dann z.B. bei Halsweh verdünnt mit Wasser und einem Teelöffel Honig eingenommen werden. Das ÖAB empfiehlt als Kinderdosis generell 5% der Erwachsenendosis pro Lebensjahr. Das ist sozusagen eine allgemeine Orientierungsregel. Bei Unsicherheit solltet ihr einen Arzt befragen.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, euch einen Kepuzinerkresse-Vorrat für den Winter anzulegen... husch husch in den Garten. Ich wünsche euch viel Freude beim Konservieren.

Alles Liebe!

Eure Wilde Möhre

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05. September 2017

Fotos: ©Silja Parke; ©Andreas Thomasser

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