Sommermitte, Frauendreißiger & der Kräuterbuschen

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Sommermitte, Frauendreißiger & der Kräuterbuschen

Die Sommermitte ist einer der weiteren Höhepunkte im Kräuterjahr. Der sogenannte „Frauendreißiger“, das sind die 30 Tage zwischen dem 15. August (Maria Himmelfahrt) und dem 15. September (Gedächtnis der Schmerzen Mariens), ist die zweite Periode im Jahr, in der traditionell richtig viele Kräuter zum Schutze von Haus, Hof, Familie und für die Hausapotheke gesammelt werden. Noch heute gibt es den alten Brauch, Kräuterbüschel zu binden und diese in der Kirche weihen zu lassen. In meinem Blogpost erfahrt ihr noch mehr über die Hintergründe der Kräuterweihe und ich zeige euch verschiedene Möglichkeiten, einen eigenen Buschen zu binden .

Sommermitte - Die Kraft der Kräuter ist jetzt noch einmal besonders groß

Maria Himmelfahrt und der Kräuterbuschen

Traditionell werden am Tag vor Maria Himmelfahrt Kräuter gepflückt und zu Büscheln gebunden. Diese werden dann in der Kirche geweiht. In einem alten klösterlichen Kalender aus dem 15. Jahrhundert heißt es: „Um Maria Himmelfahrt sollen die Kräuter und Wurzeln für die Apotheke gesammelt werden“. In manchen Gegenden nannte man das Marienfest auch einfach nur Kräuterweihtag oder Würzbüschelweihe, woran man merkt, von welcher Bedeutung die Kräuter bei dem ganzen Fest waren. So sind Maria Himmelfahrt und die Kräuterweihe wirklich fest miteinander verbunden. Es ist das älteste Marienfest, an dem der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel gedacht wird. In der Ostkirche wurde das Fest wohl schon im 5. Jahrhundert gefeiert. Es wurde allgemein im 9. Jahrhundert eingeführt und fand so den Weg in die neu missionierten germanischen Gebiete. Und wusstet ihr woher die bayrische Stadt Würzburg ihren Namen hat? Von den Kräutern - denn "Wurz" ist eine alte Bezeichnung für Kräuter und Würzburg war früher eine Hochburg der Würzbüschelweihe.

Am 15. August wird der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel gedacht. Die Würzbüschelweihe ist eng verbunden mit dem Fest. Die bayrische Stadt Würzburg verdankt dem alten Brauch ihren Namen. Sie war früher eine Hochburg der Kräuterweihe.

Vorchristlicher Kräuterbrauch

Vermutlich ist die Kräuterweihe am 15. August jedoch kein urchristlicher Brauch, sondern hat seine Wurzeln im Brauchtum germanischer Stämme und wurde später zum Marienbrauch. Früher waren anstelle von Maria weibliche Agrargottheiten verehrt worden. Schon in vorchristlicher Zeit durchstreiften Frauen und Kinder in der Sommermitte die Wiesen und sammelten körbeweise Kräuter. Insbesondere die Hebammen und Kräuterweiber sammelten viel, um später genug für die Krankenversorgung zu haben.

Es gab Heilkräuter, Magische Kräuter, Schutz- und Zauberpflanzen

Es gab bestimmte Pflanzen, die in den Würzbusch kamen und bestimmte Rituale, die beim Pflücken beachtet wurden. Kräuter dienten nicht nur Heil- sondern auch magischen Zwecken und einige von ihnen galten als Schutz- oder Zauberpflanzen. Zu Hause band man die Kräuter zu Sträußen oder gab sie in Körbe, um sie weihen zu lassen. Durch die Segnung, so glaubte man, wurde die Kraft der Kräuter noch erhöht. Nach der Weihe wurden die Kräuter in Haus und Hof und in den Ställen aufgehängt. Heute findet man den Buschen oft im Herrgottswinkel oder im Hauseingang. Die Buschen werden solange aufgehoben, bis sie im nächsten Jahr durch einen neuen ersetzt werden. Die Kräuter werden dann auf gar keinen Fall weg geworfen, sondern im Feuer verräuchert.

Körbeweise wurden heilkräftige, Schutz- und Zauberpflanzen heim getragen und nach der Weihe in Haus, Hof und in den Ställen aufgehängt

Magische Zahlen

Die Kräuterbuschen bestehen traditionell aus einer bestimmten Anzahl von Kräutern. Je nach Brauchtum und Gegend variiert die Anzahl. So gibt es Sträuße aus 7, 9, 12, 14 oder gar 33, 72, 77 und 99 Pflanzen. Die Zahlen haben eine bestimmte Symbolik. Durch eine bestimmte Anzahl von Kräutern im Buschen, glaubte man, dass der Buschen Zauberkraft erhalte und sich so die Wirkung noch verstärke. 

3, 7, 9, 33, 72, 99... Die richtige Zahl macht's

Sammelrituale

Rituale und Heilkräuter gehören seit Urzeiten zusammen. Erst durch ein Ritual erhielt die Pflanze ihre besondere Kraft. Unsere Vorfahren hatten eine ganz andere Verbindung zur Natur und zu den Pflanzen. Bestimmte Rituale verstärkten nach ihrem Glauben die Wirkung der Kräuter, zeigen aber auch die Achtung, Ehrfurcht und Dankbarkeit ihr gegenüber. Neben der Zahlenmagie gehörten zu den Ritualen u.a. Beschwörungen, Zaubersprüche und Gebete, die beim Pflücken der Pflanze gesprochen wurden. Wurzeln durften nur mit bestimmten Werkzeugen ausgegraben werden. Beispielsweise sollten keine Eisenwerkzeuge verwendet werden, denn dieses galt in früheren Zeiten als unreines Metall und sollte nicht die "heiligen Wurzeln" berühren. Es wurden auch sakrale Werkzeuge zum Graben verwendet, beispielsweise Hirschgeweihe und Lindenholz, die früher als heilige Tiere und Bäume galten.

Erst das Ritual macht die Zauberkraft... Sonne, Mond, Farbe. Darauf kam es unseren Vorfahren an

Auch der Zeitpunkt und die Farbmagie spielte eine Rolle: So wurde an bestimmten Tagen und zu bestimmten Mond- und Sonnenständen geschnitten oder ausgegraben. Die Tage waren bestimmten Gottheiten zugeordnet. Der Donnerstag beispielsweise war dem Donar gewidmet, dem germanischen Wettergott. Kräuter, die Unwetter, Blitz und Donner abwehren sollten, wurden daher bevorzugt an Donnerstagen gesammelt. Der abnehmende Mond galt bwispielsweise als günstiger Sammelzeitpunkt für Wurzeln, weil man glaubte, die Kräfte wirkten in ihnen nun stärker als bei zunehmendem Mond. Viele Kräuter wurden vor Sonnenaufgang gesammelt, man glaubte, zu dieser Zeit besäßen sie am meisten Zauberkraft. Auch an die Magie der Farben glaubte man. So besaß zum Beispiel nur eine weiß blühende Wegwarte Zauberkraft.

Wenn man etwas nahm, ließ man im Gegenzug als Zeichen der Dankbarkeit etwas zurück, wo man die Pflanze geerntet hatte. Solche Opfergaben konnten Nahrungsmittel, Schmuck, Münzen aber auch Tieropfer sein. 

Opfergaben an die Natur

Sammeln bei bestimmten Mond- und Sonnenständen

Magie- und Schutzkräuter

Es gab einige Kräuter, denen von unseren Vorfahren besondere Zauber- und Schutzkräfte zugeschrieben wurden. Zu diesen Kräutern gehörte beispielsweise die Königskerze, die auch als besonders verehrte Pflanze oftmals die goldene Mitte des Kräuterbuschens bildet.

Die Königskerze wurde früher auch „Unholdenpflanze“ genannt. Man glaubte, sie wirke gegen Unholde und bösen Zauber. Zum Schutz vor Krankheiten trug man Amulette aus der Königskerzenwurzel

„Hartenau und Dill, macht’s Gewitter still“

Auch das Johanniskraut galt als solch eine heilige Schutzpflanze. Es sollte vor Krankheit und Unglück schützen. Es wurde auch zum Schutze vor Blitz und Donner bei aufziehendem Gewitter auf dem Herdfeuer verräuchert. Dabei sprach man entsprechende Verschwörungen wie: „Hartenau und Dill, macht’s Gewitter still“ (Hartheu oder Hartenau sind alte Namen des Johanniskrautes). 

Der Beifuß ist ein weiteres, der magischen Zauberkräuter. Mit ihm konnte man sich aller Übel und Krankheiten entledigen. Auch allerlei Liebes- und Fruchtbarkeitszauber wurde mit ihm getrieben und er gehörte auch zu den Schutzkräutern bei Unwetter.

Zauberkräuter: Johanniskraut (oben), Königskerze (links unten)  und Beifuß (rechts unten)

Die Kräuter im Buschen

Nach alter Überlieferung wurden nur ganz bestimmte Pflanzen für die Buschen verwendet. Ganz so streng sieht man das aber heute nicht mehr. Während früher nur wilde Pflanzen ins Büschel durften, können es heute auch gerne Gartenpflanzen sein. Welche Kräuter im Buschen enthalten sind, ist vor allem auch davon abhängig, welche Pflanzen in der eigenen Umgebung vorgefunden werden. So wird beispielsweise Arnika eher in Berggegenden im Kräuterbuschen zu finden sein.

Königskerze in der Mitte, Rose für die Muttergottes, Getreide als Bitte und Dank für das Brot

Die Königskerze bildet oft die Mitte im Kräuterbuschen. Manchmal wird auf die Königskerze eine Rose für die Muttergottes gelegt, bevor die übrigen Kräuter hinzugefügt werden.  Getreideähren symbolisieren die Bitte und die Dankbarkeit für das Brot. Früher kamen die Ähren der vier wichtigsten Getreidearten, Gerste, Hafer, Roggen und Weizen ins Büschel.

Kräuter, die typisch für den Buschen sind: Alant, Arnika, Baldrian, Beifuß, Blutweiderich, Dost, Eisenkraut, Enzian. Frauenmantel, Großer Wiesenknopf, Haselnusszweige, Johanniskraut, Kamille, Kornblume, Königskerze, Labkraut, Leinkraut, Odermennig, Quendel, Rainfarn, Rohrkolben, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wasserdost, Wegwarte, Wermut, Weidenröschen.

Rose für die Muttergottes und Getreide als Bitte und Dank für das Brot

Der Buschen

Mein Buschen besteht aus: Königskerze, Dost, Thymian, Wilde Möhre (natürlich!!!), Mädesüß, Johanniskraut, Weidenröschen, Beifuß, Wermut, Baldrian, Augentrost und Minze. Er wird in unserem Haus aufgehängt, um uns zu beschützen und als Symbol für die Dankbarkeit für die Geschenke der Natur. Ab und an zupfe ich einige Zweige zum Räuchern aus dem Buschen heraus. Tee- und Heilkräuter sammle ich auch in dieser Zeit, bewahre diese aber lieber in geschlossenen Gefäßen, kühl und dunkel auf, da die Kräuterchen ja recht wärme- und lichtempfindlich sind. Eine Ausnahme mache ich bei meinen Teesträußchen, die wie ich finde, auch sehr schöne Geschenke sind. 

Der Buschen ist bei den Stängeln mit Juteband umwickelt und mit einem hübschen Schleifenband verziert.

Auch ein Kranz ist eine schöne Idee

Auch ein Kranz ist als Alternative zum Buschen wunderschön. Die Anregung habe ich im Mit Liebe gemacht Blog von Doris Kern, von dem ich ein großer Fan bin, bekommen. Zur Anleitung geht es hier

Ich freue mich riesig über den schönen Kranz und auch das Binden hat große Freude gemacht. In dem Kranz habe ich im Gegensatz zum Buschen auch viele Pflanzen aus meinem Garten, die ein tolles Aroma und einen herrlichen Duft besitzen... z.B. Rosmarin, Afrikanischer Rosmarin, Basilikum, Zitronenmelisse, Fenchel, Duftgeranien...

Es gehen auch kleine Buschen... Wie wäre es mal mit kleinen Teesträußchen?

Ihr könnt euch symbolisch auch nur ganz kleine Buschen binden oder portions- und indikationsweise kleine Teesträußchen zusammenstellen. In kleine Säckchen gesteckt und mit einer hübschen Beschriftung sind dies auch schöne Geschenke. Ich habe hierfür hübsche Beutelchen mit einem Tunnelzug selber genäht. 

Die Sträußchen können dann ganz einfach in der Teekanne aufgebrüht oder kopfüber hinein gehängt werden. Besonders schön sieht das Sträußchen in einer Glasteekanne aus.

Beispiele für Teesträußchen

Beruhigungs-Tee-Sträußchen

3 Zweige Melisse

3-4 Zweige blühender Lavendel

1 Zweig Johanniskraut oder Baldrian

Husten-Tee-Sträußchen

4 Blätter Spitzwegerich

3 Zweige blühender Dost

2 Zweige Thymian

Eine andere Kräuterbuschen-Variante und immer ein schönes Geschenk. Kleine Tee-Sträußchen in selbst genähten Säckchen.

Oder eine Räuchermischung?

Eine schöne Variante ist auch eine Räuchermischung Hierfür trocknet man einfach seinen Buschen und macht nach der Segnung eine Räuchermischung aus allen Pflanzen. Nach Belieben kann man auch noch Harze wie Weihrauch oder Mastix hinzugeben. In hübsche Gläschen abgefüllt kann die Räuchermischung gut aufbewahrt werden oder ist auch ein schönes Geschenk. Die Mischung ist super geeignet für Räucherungen in den Raunächten. Wer keine Lust auf eine Räuchermischung hat, kann ja auch kleine Räucherbuschen binden und diese schön beschriften.

Salbei und Lavendel zu einem Räucherbüschel gebunden und mit einer Banderole aus Geschenkpapier zusammengehalten. Beide Pflanzen reinigen Räume von schweren Energien, deswegen habe ich mein Büschel "Raumerfrischer" genannt.
Eine Räuchermischung aus den Pflanzen des geweihten Buschen, in hübsche Gläschen abgefüllt, ist auch eine feine Sache, da können die Raunächte kommen.

Ich wünsche euch einen wunderbaren "Frauendreißiger". Viel Freude weiterhin beim Sammeln und Verarbeiten der Kräuter. Genießt diese Zeit!

Alles Liebe!

von der Wilden Möhre

Disclaimer! Die Inhalte dieser Webseite recherchiere und erstelle ich mit größtmöglicher Sorgfalt. Ich übernehme jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Texte und Ratgeber. Die Nutzung dieser Webseiteninhalte erfolgt auf eigene Gefahr. Die Hausmittel und Rezepturen ersetzen auf gar keinen Fall den Gang zum Arzt. Bei unklaren oder starken gesundheitlichen Beschwerden sowie in der Schwangerschaft und bei Kindern sollte eine Anwendung vorher ärztlich abgeklärt werden.

14. August 2017

Fotos: ©Andreas Thomasser; ©Silja Parke; ©Wilfried Bedek; Getreidefeld, Gedenken Mariens, Würzburg, Mond, Sonne & Getreidefeld entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0 von der kostenlosen Bilddatenbank Pixabay  entnommen

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