Natürliche Helferlein für einen gesunden Garten Teil II

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Natürliche Helferlein für einen gesunden Garten Teil II

Der Mensch kann durch die Einbindung von Kräutern und Wildpflanzen in seine Ernährung seine Gesundheit fördern und Krankheiten vorbeugen. Bei unseren Gartenpflanzen funktioniert das auch. Mit pflanzlichen Brühen und Jauchen können wir nach dem Motto "Natur hilft Natur" ihr Wachstum und ihre Widerstandskraft stärken und sie vor Schädlingen schützen. Eine Brennnesseljauche ist mineralstoffreich, versorgt den Boden mit für die Pflanzen wertvollem Stickstoff und erhöht darüber hinaus die Aktivität der Bodenorganismen. 

Da freut sich nicht nur der Gartenzwerg

Stickstoff für kräftiges Wachstum

Vitale und satt grüne Pflanzen sind nicht nur fürs Auge schön, sie halten auch mehr aus und sind widerstandsfähiger gegen Schädlinge. Stickstoff benötigen Pflanzen vor allem für ein kräftiges Wachstum und einen gut funktionierenden Stoffwechsel. Stickstoff ist ein Baustein von Chlorophyll und vielen Enzymen und hat Einfluss auf die Bildung von Eiweiß und Aminosäuren. Neben der Lichtenergie und Kohlenstoffdioxid aus der Luft, benötigen Pflanzen in Wasser gelöste Mineralstoffe aus dem Boden für den Aufbau ihrer Nährstoffe. Jede Pflanze benötigt diese in unterschiedlicher Menge und Zusammensetzung. 

Eine Jauche aus Brennnessel kann das Pflanzenwachstum kräftig anregen

Auf das rechte Maß kommt es man

Makronährelemente, zu denen auch der Stickstoff zählt, werden von allen Pflanzen in größeren Mengen benötigt. Fehlen diese, bleiben die Pflanzen mickerig und schwach und haben es schwer, sich gegen widrige klimatische Bedingungen (z.B. große Hitze im Sommer), Verdrängung durch kräftigere Pflanzen oder Schädlinge durchzusetzen. Ist allerdings zu viel Stickstoff im Boden, werden Pflanzen hierdurch ebenfalls geschwächt. Das ist eigentlich genauso wie bei uns Menschen, wenn wir uns ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgen und damit unser Immunsystem stärken, sind auch wir widerstandsfähiger, nehmen nicht jede Grippe- und Erkältungswelle mit, sind insgesamt vitaler und fühlen uns wohl. Ein Zuviel verkehrt auch bei uns Menschen den positiven Effekt wieder ins Negative. Es kommt immer auf die geeignete Dosis und das Richtige Maß an. 

Die Brennnessel als Stickstoffzeiger

Die Brennnessel ist ein Stickstoffzeiger, d.h. sie zeigt Stickstoffreichtum im Boden an. Wenn sie Überhand nimmt, kann das auch ein Hinweis für eine Übersäuerung bzw. eine beginnende Übersäuerung des Bodens sein. Dann solltet ihr nicht mehr düngen.

Die Brennnessel enthält selbst viel Stickstoff. Als Stickstoffzeiger ist sie aber auch ein Hinweis auf Stickstoffreichtum im Boden.

Vielfalt, Fruchtfolgen und Nützlinge

Neben einer guten Pflege und Ernährung der Pflanzen ist es generell sinnvoll im Garten auf Vielfalt und im Nutzgarten auf Fruchtfolgen zu achten, da es stark zehrende Nutzpflanzen gibt, die den Boden bei einer dauerhaften Kultur zu sehr auslaugen würden. Eine Vielfalt an Arten zieht natürlich auch eine Vielfalt an Tieren und damit auch Nützlinge in den Garten. Bei der Bekämpfung von Schädlingen sollte man immer daran denken, dass diese die Nützlinge ernähren. Wenn man ein ausgewogenes Gleichgewicht in seinem Garten hat, sollten Schädlingsplagen generell kein Thema mehr sein. Ein bisschen schwieriger wird es zwar, wenn die Schädlinge eingewandert sind und nur wenige natürliche Fressfeinde haben, wie z.B. die Spanische Wegschnecke, die wegen der Absonderung eines bitteren Schleims von vielen Tieren verschmäht wird. Trotzdem lohnt es sich auch hier, statt einseitig mit chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln gegen die unerwünschten Tierchen vorzugehen, im Garten Lebensräume für Nützlinge wie Igel, Reptilien, Vögel und Käfer zu schaffen.

Sind Nützlinge im Garten, fühlen sich auch die Pflanzen wohl. Der Marienkäfer ist ein gern gesehener Gast im Garten. Er vertilgt für sein Leben gerne Blattläuse.

Wohlfülecken für freundliche Helfer

Um Nützlingen Lebensräume zu schaffen, eignen sich Ecken mit Wildwuchs, Unterschlupfmöglichkeiten wie Steine, Totholz, Ohrwurmtöpfe oder Nisthilfen. Es muss nicht immer gleich ein Insektenhotel sein, es kann schon ausreichen, getrocknete, hohle Stängel von Pflanzen gebündelt irgendwo im Garten, z.B. am Zaun aufzuhängen. Die Pflanzenstängel werden oft sogar besser von den Insekten angenommen, weil sie nicht so rau und steif sind, wie ausgebohrte Hölzer und es ist ganz easy gemacht! Es eignen sich beispielsweise die Stängel von Wald-Engelwurz und Wiesen-Bärenklau sehr gut. Wegen der in beiden Pflanzen enthaltenen Furanocumarine sollte der Pflanzensaft jedoch nicht in Verbindung mit Sonne auf die Haut kommen. Dies umgeht man ganz leicht, wenn man die Stängel einfach im Herbst von den vertrockneten Pflanzen sammelt.

Spanische Wegschnecke
Tigerschnegel

Spanische Wegschnecke

Im Falle der Spanischen Wegschnecke können übrigens u.a. Käfer, wie der Gemeine Grabkäfer oder der Tigerschnegel (eine heimische Nacktschnecke) hilfreich sein. Beide fressen die Gelege der Spanischen Wegschnecke und der Tigerschnegel sogar die Spanische Wegschnecke selbst. Lebende Teile von Wildpflanzen mag die Spanische Wegschnecke übrigens nicht so gerne wie kultivierte Pflanzen. Das liegt daran, dass aus den Kulturpflanzen viele sekundäre Pflanzenstoffe, die für die Pflanze u.a. Abwehr-und Schutzfunktionen erfüllen, weg gezüchtet wurden, weil sie uns Menschen nicht gut schmecken. Das ist gleich doppelt von Nachteil, denn viele Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Bitterstoffe, sind nicht nur unserer eigenen Gesundheit dienlich, sondern sie schützen Pflanzen auch davor gefressen zu werden. Nebenbei - viele Schnecken mögen lieber welke als frische Pflanzenteile. Deswegen sollten diese möglichst aus dem Garten entfernt werden. 

Brennnessel-Ecken sind die Kinderstuben prachtvoller Schmetterlinge
Die Raupen einiger Schmetterlingsarten wie dem Tagpfauenauge ernähren sich von Brennnesseln

Nahrungsquelle, Bodenverbesserer, Schmetterlings-Babystube...

Wenn man Brennnesseln im Garten hat, lohnt es sich eine Brennnessel "Wildwuchs-Ecke" stehen zu lassen. Selbst wenn unser Boden so nährstoffreich ist, dass eine Düngung mit Brennnesseljauche nicht notwendig ist, liefert die Brennnessel uns selbst auch gesunde Nahrung. Wir können aus den Blättern Salate, Süppchen, Spinat oder Tee zubereiten und auch die Früchte können wir ernten und z.B. über Suppen, Salate oder unser Müsli streuen. Auch ein Haarwasser aus Brennnessel und Rosenwasser (Rezept folgt in Kürze) ist eine wunderbare Sache für schönes und kräftiges Haar. Mit ihren langen, weit verzweigten Wurzeln erschließen Brennnesseln zudem die Erde für neue Humusbildung und die abgestorbenen Brennnesseln können als Mulche genutzt werden. Unter Obstbäume gepflanzt soll die Brennnessel ihren Ertrag erhöhen und neben aromatischen Kräutern den Duft und das Aroma dieser Pflanzen steigern. Und noch jemand profitiert: Die Brennnessel ist nämlich auch eine wichtige Nahrungsquelle für die Raupen einiger Schmetterlingsarten. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral beispielsweise legen ihre Eier auf die Brennnessel, damit sich die frisch geschlüpften Raupen von ihr ernähren können. Hach... ihr merkt schon... eine Ode an die Brennnessel, die ich an dieser Stelle immer noch weiter fortführen könnte... aber nun zum "Jauche-Rezept"...

Fertige Brennnesseljauche in Flaschen abgefüllt - sie wird im Verhältnis 1:10 ins Gießwasser gegeben

Brennnesseljauche

Zutaten für 10 Liter Brennnesseljauche:

1 kg frische Brennnesseln 

oder alternativ 200 g getrocknete Brennnesseln

10 Liter Wasser

ggf. Gesteinsmehl gegen den Geruch

Und so geht's:

  • Die Brennnesseln in einem großen Gefäß aus Steingut, Emaille oder Kunststoff mit 10 Liter kaltem Wasser aufgießen (keine Metallgefäße verwenden, es können ungewollte Reaktionen zwischen Jauche und Metall zustande kommen).
  • Wenn die Geruchsentwicklung, die durch die Gärung entsteht, eingedämmt werden soll, noch ein wenig Gesteinsmehl hinzugeben
  • gut umrühren und das Gefäß gut luftdurchlässig abdecken
  • Jeden Tag kräftig umrühren.Wenn die Jauche nicht mehr schäumt, ist sie fertig und kann abgefüllt werden.
  • Hierzu wird die Jauche abgeseiht und in Flaschen abgefüllt, so kann sie dann gut gelagert werden.
Für 10 Liter Jauch benötigt man 1 kg frisches Pflanzenmaterial
Die Brennnesseln werden mit kaltem Wasser aufgegossen

Verwendung der Brennnesseljauche:

Die Brennnesseljauche wird im Verhältnis 1:10 dem Gießwasser beigemischt. Gedüngt werden soll nur während der Wachstumsphase der Pflanzen und nur morgens, abends oder bei bedecktem Wetter, da die Pflanzen sonst leicht verbrennen können. Bei Pilz- oder Schädlingsgefall und zur Blattdüngung kann die Brennnesseljauche auch noch stärker verdünnt gesprüht werden.

TIPP:

Zur Stärkung eurer Pflanzen könnt ihr nach dem gleichen Rezept auch eine Jauche aus Beinwell herstellen.

Alles Liebe und einige üppige Balkon- und Gartenracht wünscht euch...

Die Wilde Möhre

25. Juni 2017

Fotos: ©Andreas Thomasser, ©Silja Parke, ©Wilfred Bedek, Brennnessel mit Marienkäfer, Schnecken, Brennnessel-Ecke und Tagpfauenauge entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0 von der kostenlosen Bilddatenbank Pixabay  entnommen

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2 thoughts on “Natürliche Helferlein für einen gesunden Garten Teil II

  1. Liebe Silia,

    was für ein schöner Artikel! Ich würde ihn gerne auf dem Wilden Wegesrand verlinken, wenn ich darf. Vielleicht nicht jetzt aber irgendwann, wenn es jahreszeitlich / thematisch bei mir passt. Wenn Du magst, kannst Du ja auch mal bei mir gucken, da gibt’s z.B. Ein Rezept für köstliches Brennnessel-Risotto;-)

    Viele liebe Grüße
    Jeannette alias KrautLiese vom Wilden Wegesrand:-)

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